Freitag, 23. März 2018

Wie schreibe ich meine Rezensionen?


Hin und wieder erreichen mich vor allem bei Instagram Nachrichten mit der Frage, wie ich denn meine Rezensionen erstelle. 

Anfangs habe ich die Frage gar nicht recht verstanden, bis mir klar wurde, wo das "Problem" liegt.

Vielen fehlt einfach der rote Faden, eine Art Anleitung, die sie auf jedes Buch anwenden können, egal ob es ihnen gefallen hat oder nicht. 

Daher möchte ich im Folgenden darüber berichten, wie ich meine Rezensionen verfasse und hoffe, dadurch die nötige Starthilfe geben zu können, nach der einige von euch fragten.




→ Achtung.

Die folgenden Zeilen werden dabei kein Novum sein, geschweige denn das Nonplusultra, wie eine vernünftige Rezension auszusehen hat. 
Vielmehr dient dieser Post dazu, euch zu inspirieren, wenn es an manchen Stellen einfach hakt.



→ Ziel (m)einer Rezensionen.

Eine Rezension hat das Ziel der kritischen Besprechung eines Buches. Kritik bedeutet dabei aber keinen Verriss zu schreiben, sondern die positiven und negativen Aspekte der Lektüre herauszuarbeiten. Sie sollte mehr sein als ein kurzer Satz oder die Kopie des Klappentextes. Ziel ist demnach, die informative Vorstellung eines Buches inklusive der begründeten (!) eigenen Meinung. 


→ Der Beginn: Das ominöse graue Notizbuch.

Dann und wann ist in meinen Storys bei Instagram ein graues Notizbuch zu sehen. DAS ist für mich die Grundlage all meiner Rezensionen. Darin notiere ich mir jede Menge Informationen, aus denen ich dann später die Rezension forme.

Hauptsächlich nutze ich es für negative Kritik - was natürlich auch Sinn macht. Je spannender oder interessanter ich ein Buch finde, umso mehr möchte ich natürlich wissen, wie es weitergeht. Da bleibt keine Zeit, das Büchlein herauszuholen und den Bleistift zu spitzen. 

So passiert es, dass ich Bücher auslese und am Ende keine einzige Notiz unter der Überschrift steht, außer vielleicht ein paar Namen der Figuren. Denn auch dafür ist ein Notizheft gut: Mein schlechtes Namengedächtnis macht es mir oft nicht möglich, schon vier Figuren auseinander zu halten. Ein paar kurze Stichpunkte dazu und ich weiß auch noch am nächsten Tag, wer Person A ist und in welcher Verbindung sie zu Person C steht. 

Zumeist landen in dem Notizbuch also Kritikpunkte, die mir während des Lesens auffallen. Inhaltliche Ungereimtheiten, unangenehme Passagen oder andere Gedanken, die den Lesespaß etwas dämpfen. 

Doch natürlich ist dieses Büchlein nicht das Böse per se. Gleichermaßen verwende ich es auch, um mir herausragende Zitate zu notieren (unbedingt als solche kennzeichnen!) oder andere Gedanken, die mir während des Lesens kommen und unbedingt festgehalten werden müssen. Oft ergeht es mir so, dass mir während des Lesens Stichworte in den Kopf schießen (Formulierungen, Assoziationen), die dringend in die Rezension einfließen sollen, weil sie meine Gedanken klar formuliert und sortiert auf den Punkt bringen. So schnell diese Gedanken auch kommen, sind sie auch wieder fort. Also ab damit ins Notizbuch und ich bin auf der sicheren Seite. 

Immer einsatzbereit, wird dieses Notizheft also zum ständigen Begleiter meines aktuellen Buches. Es erleichtert sozusagen die "Arbeit", die Buchbesprechungen zu formulieren. Nicht immer hat man die Zeit oder die Lust, die gelesene Lektüre zeitnah zu rezensieren. So bleiben wichtige Eindrücke konserviert.

Ergo: Ein Notizbuch kann helfen, sich die individuellen Eindrücke zu merken.

Dazu zählen beispielsweise:
  • Personenkonstellationen
  • Zitate
  • positive oder negative Kritikpunkte 
  • erste Formulierungen
  • Assoziationen 
  • Gedankengänge, die sortiert werden müssen 

Ist das Buch dann ausgelesen, geht es an das eigentliche Erstellen meiner Rezension.




→ Merkmale einer Rezension

Die folgenden Merkmale haben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Dies sind lediglich die Faktoren, auf die ich zumeist achte - beim Schreiben oder Lesen von Buchbesprechungen. 

1. Jede Rezension beinhaltet eine Inhaltsangabe.

Ja, diese sollte m.E. vorzugsweise am Anfang stehen. Was nützt es schon, über den Spannungsbogen zu berichten, wenn die LeserInnen noch gar nicht wissen, worum es geht.

Eine eigenständig formulierte Inhaltsangabe ist auch stets ein guter Einstieg in eine Besprechung, um als Schreiberling mit dem Text warm zu werden und einen sicheren und interessanten Einstieg zu finden.

Und nein, dafür reicht der Klappentext für mein Empfinden nicht aus. Diesen findet man ohnehin schon überall im Internet, dafür muss sich niemand die "Mühe" machen, eine individuelle Buchbesprechung zu lesen. An dieser Stelle finde ich es wichtig, ein bisschen mehr preis zu geben. Was passiert in den ersten Seiten, wie steigen die AutorInnen in den Plot ein? Wie nimmt die Geschichte ihren Lauf? Was ist das Ziel? Woraus ergibt sich das Konfliktpotential oder die Spannung? Worum geht es?

Sollte das Buch die Fortsetzung einer Serie sein, lässt sich das an dieser Stelle wunderbar einflechten. So hat man einen guten Aufhänger und die Möglichkeit, die LeserInnen des Artikels und sich selbst noch einmal auf den neusten Stand zu bringen. 


2. Aber bitte ohne Spoiler!

Gerade bei Thrillern und Krimis ist es natürlich oft schwierig, eine spoilerfreie Rezension zu schreiben. Bedenke aber, dass du vielen LeserInnen den Spaß verdirbst, wenn sie sich nach dem Lesen einer Rezension das Ende des Buches bereits denken können. 
Solltest du einmal nicht umhin kommen, in deiner Besprechung wesentliche Dinge zu verraten, dann kennzeichne das einfach dick und fett am Anfang - z.B. mit "ACHTUNG - REZENSION ENTHÄLT SPOILER!"

Mach deine LeserInnen lieber hungrig auf dieses Buch als zu viel zu verraten - auch wenn es dir noch so gut gefallen hat.


3. Die Figuren.

Sofern wir nicht gerade von Kochbüchern reden (Beispiel einer Rezension: HIER),  beinhalten die meisten Romane eine gewisse Anzahl an Figuren - zu unterscheiden in ProtagonistInnen und Nebenfiguren. Hier könnte also von Interesse sein, was die ProtagonistInnen zu selbigen macht. Kannst du mit ihnen fühlen oder bleiben sie inhaltslose Schatten? In welcher Verbindung stehen sie zueinander? Welche Gefühle spielen eine Rolle? Was gibt es Besonderes über die Figuren zu berichten?


4. Genreeinordnung

Auf den meisten Covern ist das Genre bereits vom Verlag vermerkt, damit sofort klar ist, auf welchen Typ von Buch man sich hier einlässt. Dies ist aber nicht immer der Fall und auch wenn es vermerkt ist, trifft dies nicht immer den Kern. Stephen Kings "Es" läuft beispielsweise ganz klar unter dem Genre Horror. Dass es aber gleichzeitig auch ein Coming of Age Roman ist, ist nicht ganz so offensichtlich. Und deswegen bedarf es der persönlichen Rezensionen!

Die Grenzen der Genres sind teilweise sehr fließend. Das bedeutet, dass das Buch nicht zwangsläufig nur einem bestimmten Genre zuzuordnen ist, sondern vielleicht auch einmal mehreren oder einer Mischung a la Genre YX mit Einflüssen aus Z. Wichtig ist auch hier, dass man es gut begründet, sodass die LeserInnen der Rezensionen erahnen können, ob das Buch das richtige für sie ist oder nicht. Hilfreich finde ich dazu die Übersicht der verschiedenen Genres und Subgenres von Die Schreibtrainerin.


5. Der Verlag.

Apropos Einordnung. Manchmal kann es sehr hilfreich sein, ein paar Sätze über den Verlag zu verlieren. So steht der LYX Verlag beispielsweise für Contemporary Romance, während Heyne Hardcore eher Storys abseits ausgetretener Mainstream Pfade verlegt. Das zu erwähnen, kann ebenfalls bei einer Einordnung helfen und erleichtert auch einen Vergleich der Bücher untereinander.


6. Die AutorInnen. 

Genau wie die Verlage kann es auch hier wichtig sein, ein paar mehr Worte über die AutorInnen einzuflechten. Oftmals spielt deren Herkunft, Wohnort oder Geschichte keine unbedeutende Rolle in der zu lesenden Lektüre. Daher kann es sehr spannend sein, diesen Zusammenhang hervorzuheben.
Außerdem sollten ein paar AutorInneninfos und "Werbung" immer drin sein, denn schließlich haben wir das Buch dieser Person zu verdanken.



7. Die Haptik und das Layout.

Natürlich spielt auch oft die Haptik und das Layout eines Buches eine tragende Rolle. Unbewusst werden wir vermutlich immer davon beeinflusst - eine Story scheint besser zu sein, wenn uns das Cover schon so gefällt. Dass das Unsinn ist, ist wohl selbstredend. Dennoch haben wir alle unsere Spleens und ich finde Bücher auch grundsätzlich besser, bei denen die Seiten dicker sind als Bibelpapier und die Schriftgröße mich nicht zwingt, das Buch an meiner Nasenspitze zu reiben.
Wichtig ist zu diesem Punkt, dass wir uns auch dieser teilweise subliminalen Beeinflussung bewusst sind und in einem Buch nicht zwanghaft nach Tippfehlern suchen, nur weil es nicht bei Random House erschienen ist.
Vielmehr sollte man an dieser Stelle nach dem Gegenteil Ausschau halten: Ist das Cover besonders erwähnenswert, weil es vielleicht gut zum Inhalt passt? Ist das Layout besonders gestaltet? Gibt es irgendetwas, das das Cover zu etwas ganz Besonderem macht?



8. Weitere erwähnenswerte Auffälligkeiten

Je mehr ein Buch aus der Masse heraussticht, desto interessanter wird es natürlich für potenzielle LeserInnen. 
Du kannst also auch hier deinen Gedanken freien Lauf lassen und zu unzähligen Merkmalen ein paar Sätze sagen. Wie war der Spannungsbogen? Fallen besondere Stilmittel ins Auge? 

Ziel darf es nicht sein, zu jedem Merkmal auf Biegen und Brechen einen Satz zu formulieren. Wenn es nichts erwähnenswertes gibt, dann lasse ich diesen Punkt einfach weg. 
Sätze wie "Der Schreibstil ist normal" bringen niemandem etwas, weil "normal" jedeR anders definiert. 


9. Die Eckdaten.

Hier dürfen sich alle Daten sammeln, die im Fließtext deiner Rezension nicht so richtig unterkommen wollen und dennoch von großer Bedeutung sind. Auf einen Blick sollten alle wichtigen Angaben des Buches noch einmal zusammengefasst werden, vorzugsweise mit Verlinkungen, die potenziellen LeserInnen schnell weitere Informationen bieten.
Unter dieser Kategorie sammeln sich also die bibliografischen Angaben: Titel, Autor, ISBN, Verlag, eventueller Originaltitel, eventueller Originalverlag, Preis, Seitenanzahl, Ausgabearten etc. Auch das wird natürlich wieder ganz individuell angepasst.
Unter diese Rubrik fällt für mich seit neuestem auch der Klappentext. Anfangs noch als Einstieg benutzt, gibt er doch meist zu wenig her und schon gar keine "neuen" Informationen.



10. Das Fazit.

Zum Schluss finde ich immer eine abschließende Bewertung hilfreich. Nicht immer hat man Lust oder Zeit, sich eine ganze Rezension durchzulesen, legt aber auf die Meinung der Rezensentin oder des Rezensenten viel Wert. In den meisten Fällen wird hier eine Leseempfehlung ausgesprochen, oder eben auch nicht.
Ein abschließender Kommentar und/oder auch eine Bewertung mit einer einheitlich geführten Skala kann ebenso helfen.

Ich persönlich habe ebenfalls eine Bewertungsskala, die von 1 bis 10 Krönchen reicht. So ist auf einen Blick ersichtlich, wie ich das Buch schlussendlich bewerte. Büchern eine Art von Noten zu geben, ist natürlich etwas suspekt, ob der gewaltigen Anzahl an Arbeitsstunden, die man mit wenigen Klicks zunichte machen kann. Daher möchte ich hier noch einmal betonen, dass es sich, zumindest in meinen Rezensionen, um eine reine Illustration der vorangegangen Buchbesprechung handelt. Lektüre ausschließlich mit Noten zu bewerten ohne eine gut begründete, sachliche Argumentation zu liefern, finde ich höchst verwerflich. 



→ Die Kurzfassung.

Der Rote Faden sieht bei mir also folgendermaßen aus: Ich schreibe etwas über den Inhalt und frage mich dann "Was gibt es zu sagen... "
  • zu den Figuren
  • zum Schreibstil
  • zur Genreeinordnung
  • zu weiteren Auffälligkeiten 
  • zum Verlag
  • zur Haptik und zum Layout
  • zu den AutorInnen
  • zu den Eckdaten
  • zum Fazit

Diese Faktoren sind natürlich in der Besprechung vertauschbar und folgen keinem starren Gerüst. Teilweise verschwimmen sie ineinander oder werden gegenstandslos.

Wie du den Aufbau deiner Rezension gestaltest ist natürlich dir überlassen. Du kannst es ganz schulisch mit Einleitung, Hauptteil und Schluss gestalten, alles in einem Fließtext schreiben oder einige Passagen mit Zwischenüberschriften abgrenzen. Ich persönlich entscheide mich meist für die letztgenannte Variante oder hebe den inhaltlichen Schwerpunkt hervor, indem ich ihn fett markiere.

Wenn all diese Punkte "abgearbeitet" sind, kommt wieder das Notizheft ins Spiel. Meine anfänglichen Gedanken zum Buch wollen schließlich auch untergebracht werden und runden eine Rezension meist ab - sie machen sie noch individueller. Über den Schreibstil beispielsweise von (gerade auch sehr bekannten) AutorInnen wurde schon genug berichtet. Wichtig ist doch viel mehr, wie DU das empfindest, was für Emotionen die Lektüre bei DIR ausgelöst hat, was DICH bewegt hat und was DU besonders gut oder schlecht fandest.

Bestenfalls landet deine Rezension dann nicht nur auf deinem Blog o.Ä., sondern auch auf weiteren Portalen wie lovelybooks.de, goodreads.com oder amazon.de. Das hilft potenziellen LeserInnen das Buch zu entdecken und schließlich auch den AutorInnen. 



→ Zum Schluss noch eine Bitte.

Egal ob dir ein Buch gefallen hat oder nicht, steckt hinter dem Titel eine Menge Arbeit. Für die Veröffentlichung eines Buches schlagen sich AutorInnen, LektorInnen, VerlegerInnen und Co. die Nächte um die Ohren. Dass sie nicht jeden Geschmack treffen können, ist selbstredend. Daher ist es für alle Beteiligten von Interesse, einen wertschätzenden Umgang mit dem Material zu finden. Dir hat ein Buch nicht gefallen? Kein Problem, sofern du sachlich und respektvoll begründen kannst, WARUM. Ein Verriss bringt niemandem etwas: Die LeserInnen können damit wohl kaum etwas anfangen und die AutorInnen noch viel weniger. 

Überhaupt liegt der Schlüssel aller Buchbesprechungen in der Argumentation. Mit pathetischen Beschreibungen kann ich persönlich überhaupt nichts anfangen - und die werden mich auch nicht zum Kauf anregen, ganz im Gegenteil. 

Wird jedoch gut begründet dargelegt, warum dieser Thriller o.Ä. so aus der Masse heraussticht, bin ich die nächste Käuferin.


Wie obig geschrieben, hat dieser Artikel keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit.
Ich freue mich, auf weitere Anregungen eurerseits ♡


Ahoi!
Eure Mrs. Misery ♡





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Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert. 





Kommentare:

  1. Huhu,
    Ich habe mir auch viele Gedanken um Rezensionen gemacht. Inzwischen schreibe ich sie sehr anders als im Vergleich zu meinen Bloganfängen. Ich finde es besonders wichtig sich mit dem Thema und den Fragen zum Buch zu beschäftigen. Daher beinhalten meine Rezensionen immer drei Fakten zum Thema und eine Frage die sich mir nach dem Lesen stellt.
    Ich kann mich dir komplett anschließen, man sollte sich intensiv mit einem Buch beschäftigen bevor man eine Rezension schreibt! :-)
    Ganz liebe Grüße
    Nadine von misshappyreading.blogspot.de

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    1. Hallo liebe Nadine,
      vielen Dank für dein Feedback. Es freut mich sehr, dass auch du dich intensiv mit einem Buch beschäftigst. :)
      Ich finde deine Herangehensweise sehr interessant und werde direkt mal ein wenig bei dir stöbern :)
      Beste Grüße
      Alina

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  2. Hallo Alina,
    ach ja, wenn ich mir meine alten Rezensionen im Vergleich zu heute mal anschaue, sehe ich auch, dass sich da einiges verändert hat. Mich wundert es also nicht, dass dir die Frage gestellt wurde, wie du deine Rezensionen verfasst. Ich finde du hast in deinem Artikel sehr gute Richtlinien mit auf den Weg gegeben. Auch ich verwende einen Zettel, den ich als Lesezeichen in das Buch stecke oder aber ein kleines Notizbuch, welches mich beim Lesen begleitet, in das ich mir Stichpunkte notiere. Ich habe mir angewöhnt die jeweiligen Punkte mit einem Kürzel davor zu versehen. Beispiel: CH steht für Charaktere, Z für Zitate, I für Inhalt. Dahinter schreibe ich mir dann meine jeweiligen Gedanken. So kann ich beim späteren Verfassen der Rezension immer zu den jeweiligen Kürzeln springen und mir nochmal einen Überblick verschaffen, was ich davon in meine Rezension einfließen lassen möchte und was mir mittlerweile vielleicht auch als unwichtig erscheint.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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