Samstag, 24. Februar 2018

[Rezension[ "Gwendys Wunschkasten" von Stephen King und Richard Chizmar

[Werbung/kein Rezensionsexemplar]

Was wäre, wenn du einen Knopf drücken könntest, der jeden deiner Wünsche erfüllt? Was wäre, wenn durch den Knopf alles ausgelöscht werden würde, was dich stört? 

Was wäre, wenn?
„Du kannst die Dinge wennen, bis du durchdrehst, meine Gute.“ (S.120)
Gwendy ist ein unscheinbares zwölfjähriges Mädchen aus Maine, mit Gedanken und Problemen, die so viele Jugendliche plagen. Ich bin zu dick. Die Jungs mögen mich nicht.“

Die Autoren King und Chizmar finden für diese Kurzgeschichte einen realitätsnahen Einstieg. Wir alle kennen vielleicht noch das ein oder andere Hirngespinst, das uns mit 12 Jahren beschäftigte.

Doch Gwendy wird nicht lange das unsichere, unscheinbare Mädchen bleiben. 


Bereits auf der zweiten Seite der Novelle lernt sie Mr. Farris kennen, als sie beim Joggen von ihm angesprochen wird. Erst einmal ins Gespräch gekommen, schenkt der gut gekleidete, alte Mann ihr eine magische Kiste – der Wunschkasten. IHR Wunschkasten.




Wie genau das Kästchen funktionieren soll, weiß Gwendy noch nicht. Ausgestattet mit bunten Knöpfen und Hebeln, soll es jedoch jeden Wunsch erfüllen können – egal ob es jemandem schaden könnte oder nicht. Es schenkt Schokolade, Silbermünzen – oder zerstört.

Allein gelassen von Mr. Farris, ist die Protagonistin fortan in einem Dilemma – zwischen Neugier und Angst. Die Verantwortung die Gwendy von nun an trägt, wächst in den kommenden 10 Jahren ins Unermessliche. Aber was soll sie schon tun?

Schließlich sorgt die mahagonifarbene kleine Kiste dafür, dass sie sich in ihrem Körper wohlfühlt, ihre Eltern ihre Liebe füreinander neu entfachen und Gwendy selbst eine mehr als beliebte Schülerin wird. Und das ohne dafür einen Knopf gedrückt haben zu müssen. Magie? Oder der natürliche Lauf der Dinge?


Hier lässt die Novelle der Fantasie sehr viel Spielraum und hinterlässt die Leserschaft mit vielen unbeantworteten Fragen. 
Das kannst du werten wie du möchtest: positiv oder negativ.
Woher kam der Wunschkasten? Wofür ist dieser schwarze Knopf? Wer ist dieser Mr. Farris? Wie hat sich das Leben von Gwendy noch entwickelt?

Meines Erachtens lässt sich der Wunschkasten als Metapher zur reinen Macht interpretieren. Mit der Vorstellung, alles erreichen zu können, was man möchte, können wohl die wenigsten von uns umgehen. Nach Macht kommt Größenwahn – und parallel dazu eine unendliche Verantwortung.
Die reine Macht, gebündelt in einem einzigen Kasten. Dieser darf auf keinen Fall in die falschen Hände gelangen – und genau DAS ist wohl die Aussage dieser Kurzgeschichte.

Mr. Farris hat Gwendy nicht zufällig ausgewählt. Er – mindestens genau so mystisch wie die Kiste selbst – wusste genau, dass das Mädchen, trotz des aufgebürdeten Drucks, mit dieser gewonnenen Macht keine Dummheiten anstellt. Nicht auszudenken, was passiert, wenn die kleine Kiste in die Fänge eines gewissen Donald T. geraten wäre. Nicht wahr?


Der Unterschied zu so vielen anderen Kurzgeschichten besteht darin, dass „Gwendys Wunschkasten“ eine lange Zeitperiode beschreibt und dadurch einen zwar oberflächlichen aber interessanten Querschnitt der Geschehnisse erlaubt. Der Schreibstil ist King-typisch einfach, aber dennoch spannnungsaufbauend. Beschrieben aus der dritten Person und im dauerhaften Präsens, erscheinen die Ereignisse plausibel und die Handlungen der Protagonistin lassen sich obschon der Kürze der Novelle gut nachvollziehen. 

Der Plot brachte keine große Überraschung


Wenn du bei dieser Novelle eine gruselige Horrorstory erwartest, wirst du leider enttäuscht werden. Diese Kurzgeschichte ist viel mehr eine kleine, aber dennoch nicht zu verachtende Zwischenmahlzeit, die die Gier nach neuen mystischen Storys von King zu befriedigen weiß. 

Aus diesem Grund vergebe ich 8 von 10 Krönchen. 
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Titel: "Gwendys Wunschkasten"
AutorIn: Stephen King und Richard Chizmar
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-43925-2
Gebundenes Buch, Pappband
Veröffentlichung: 09.10.2017
128 Seiten
Preis: 10,00€

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