Freitag, 23. Februar 2018

[Rezension] Arne Dessaul: "Trittbrettmörder"

Binnen zwei Wochen kommen zwei Menschen in Wolfenbüttel auf tragische Weise ums Leben: 

Hanno ist Landwirt und stirbt durch eine unentdeckte Mine aus DDR-Zeiten in seinem Trecker. Ellen wird in ihrer Boutique Opfer eines Raubüberfalls – Tausend Euro gegen ein Menschenleben.

Bislang können wir von zwei bedauerlichen Schicksalen sprechen, die unglücklicherweise innerhalb kurzer Zeit im gleichen Ort passiert sind.

Oder aber von vorsätzlichem Mord! 

Denn die Serie der plötzlichen Tode geht weiter und langsam lässt sich ein Muster erkennen.

Helmut Jordan ist der zuständige Ermittler und erkennt schnell einen Zusammenhang zwischen den vermeintlichen Unfällen: Alle Opfer gehören zum Abschlussjahrgang 1989 des hiesigen Gymnasiums. 
Plötzlich ist allen klar: Das können keine Zufälle mehr sein. Was jedoch nicht klar ist: Wer hat die Absolventen des fast 25 Jahre zurückliegenden Abiturjahrgangs auf dem Gewissen – und warum?

Dessauls Debütroman ist nichts für schwache Nerven oder halbherzige Lesestunden. 


Eine hohe Informationsdichte sorgt dafür, die Leserschaft so nah wie möglich in die Geschehnisse und Ermittlungen eintauchen zu lassen. 

Besonders in den ersten Kapiteln wird die Liebe zum Detail deutlich. Eine Sympathie zu Hanno ist nach einer solch tief gehenden und differenzierten Darstellung unumstößlich und führt die LeserInnen unmittelbar in den ersten Spannungsanstieg, als dieser den Tod durch eine plötzliche Explosion findet. 

Langeweile kann in diesem Krimi nicht aufkommen – hier wird von den LeserInnen ein Mitdenken erwartet und vorausgesetzt. 

Sollte der rote Faden doch einmal aus den Augen verloren worden sein, erwartet die Leserschaft in regelmäßigen Abständen eine clever verpackte Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse, um neben den zahlreichen Eindrücken die Hauptstory im Blick behalten zu können.

Während der 400 Seiten spürt man immer wieder den Spaß, den der Autor während des Schreibens der unterschiedlichen Todesursachen gehabt haben muss: eine unterhaltsame und zugleich makabere Kreativität, die in Krimis in einem solchen Umfang nur sehr selten zu finden ist. 

Dessaul schaut über den Tellerrand der klassischen Vorgehensweise eines Krimis hinaus und vernachlässigt dabei nicht, die Hauptpfeiler zu berücksichtigen, um den Spannungsbogen konstant aufrecht zu erhalten. 


Selbiger findet wie erhofft, seinen Höhepunkt am Ende des Krimis und mündet in einem großen Finale – voller logischer Zusammenführungen, „Aha-Momente“ und der ein oder anderen Wendung, die trotz dauerhaften Mitratens nicht vorauszusehen war.

Trittbrettmörder ist ein gelungener Einstieg in die Welt von Helmut Jordan, welcher mit seiner unterhaltsamen Art und Weise das Interesse vieler LeserInnen ansprechen dürfte: 

Wie aus dem echten Leben sind die Szenen und Schauplätze nicht nur für ortsansässige Mittvierziger interessant, sondern für alle Fans eines logisch zu Ende gedachten Krimis, der durch einen geschickten Plot zu überzeugen weiß. 


Aus diesem Grund vergebe ich 8 von 10 Krönchen. 
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Titel: "Trittbrettmörder"
AutorIn: Arne Dessaul
Verlag: Gmeiner-Verlag GmbH
ISBN: 978-3-8392-1948-5
Taschenbuch
Veröffentlichung: Juli 2016
408 Seiten
Preis: 13,00€
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Dieses Buch ist ein Gewinn. Vielen Dank an Arne Dessaul!

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