Donnerstag, 22. Februar 2018

[Rezension] "Kill Your Friends" von John Niven


„Kill Your Friends“, so viel sei vorab gesagt, zählt in jedem Fall zu Recht zum Verlag Heyne Hardcore.

Der Roman spielt im Jahr 1997 und beschreibt, grob gesagt, das brisante Jahr des Protagonisten Steven Stelfox. Dieser ist A&R (=Artists and Repertoire) Manager einer Plattenfirma. Sein Job ist es, talentierte, neue Künstler der Musikbranche ausfindig zu machen, um sie unter Vertrag zu nehmen und mit ihnen das (nächste) große Geld zu verdienen.

Nun, Steven ist jedoch alles andere als ein engagierter, ehrlich arbeitender Talentscout. Ja, man kann sagen, dass der Protagonist ein mehr als verachtenswerter und arroganter Mensch ist – und das würde er vermutlich lächelnd bestätigen. Geprägt von Drogen, Sex und immer dem passenden Quäntchen Glück, lebt Steven ein Leben in einer völlig anderen, unwirklichen Welt– und das wird beschrieben; in 12 Kapiteln für 12 Monate des Jahres 1997.


Der Schreibstil ist auch das, womit dein persönliches Gefallen an diesem Buch steht oder fällt. Wenn du eher zart besaitet bist, wirst du diesen Roman vermutlich schnell wieder weglegen. Denn schon nach wenigen Sätzen wird klar: Niven schreibt extrem vulgär und beleidigt als sein alter Ego alles und jeden.


Dass in manchen Romanen hier und da ein Schimpfwort fällt, ist sicherlich nichts ungewöhnliches mehr. Dass ein komplettes Buch jedoch aus einer Aneinanderreihung von obszönen Ausdrücken besteht, schon eher. Dabei sind die Formulierungen jedoch zum Großteil so eloquent, dass es schlichtweg sehr unterhaltsam ist. Über eine solche Strecke solch pointierte Bosheiten zu entwerfen,  ist nahezu bewundernswert. Dazu kommen Beleidigungen gegen jedes Geschlecht und jede ethische Minderheit, die man sich nur vorstellen kann. Ich betone es noch einmal: Dieses Buch ist schon rein sprachlich nichts für schwache Nerven.


Und die Sprache ist nur das genutzte Mittel, um den LeserInnen den Inhalt näher zu bringen, der, mit Verlaub, an Extremität und Perversion kaum zu übertreffen ist.

Sehr plastisch und detailliert werden Drogenräusche, sexuelle Szenen und Gewalt beschrieben. Und auch all diese Sequenzen gehen auch wieder weit über das durchschnittliche Maß der Dinge hinaus.

Nicht zu vergessen ist natürlich auch, die stetige Verbindung zur Musik. Wer Interesse an der musikalischen Entwicklung der 1990er Jahre hat, wird in jedem Fall viel dazu lernen. Und auch für weniger Interessierte bietet der Roman einen angenehmen Grad zwischen Fachwissen und Anekdoten für die nächste Cocktailparty.

Letztlich muss man aber auch sagen, dass die Story für sich betrachtet, fernab der ungefilterten Sprache und beschriebenen Eskalationen relativ dünn ist. Die Erzähldynamik ist, was den roten Faden betrifft, sehr schleppend. Erst ab circa der Hälfte des Buches bekommt der Plot überhaupt erst einen erkennbaren Rahmen. Fortan nimmt die Handlung aber dann an Fahrt und sogar an Spannung auf, bis sie sich in einem stringent zu Ende gebrachten Stil auflöst.


Wie anfangs erwähnt, ist „Kill Your Friends“ unter bei Heyne Hardcore erschienen. Dieses Label steht für Literatur fernab des Mainstreams und überzeugt durch stets unkonventionelle und qualitativ hochwertige Geschichten. DAS trifft definitiv zu. Wer sich einen Roman wünscht, der noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird, ist bei diesem Titel definitiv richtig.


Von mir gibt es für dieses Buch 8 von 10 Krönchen.
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Titel: "Kill Your Friends"
AutorIn: John Niven
Verlag: Heyne Hardcore (Random House)
ISBN: 978-3-453-67544-5 (Taschenbuch)
Varianten: Taschenbuch mit Broschur oder eBook oder Hörbuch
Veröffentlichung: 04.02.2008
384 Seiten
Preis: 12,00€ (TB)
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Dieses Buch ist ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Verlag!



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