Samstag, 24. Februar 2018

[Rezension] "Er ist wieder da" von Timur Vermes

[Werbung/kein Rezensionsexemplar]

Puh, wo soll ich da anfangen..

Ich muss gestehen, dass ich anfangs sehr kritisch war dieses Buch zu lesen. Herr H. und seine Taten sind und bleiben ein Thema, das niemals in Vergessenheit geraten darf. Darf man darüber lachen? 
Die Satire darf alles, und das ist auch gut so. 


Beginnen wir von vorn. 

Herr H. wacht auch, mitten im Nichts. Weiß nicht was passiert ist und hat vor allem keine Ahnung, was in den letzten 66 Jahren geschehen ist.. 

Schnell findet er den ersten Kontakt: Einem Zeitungsverkäufer an einem Kiosk. Dieser ist im Prinzip seine Rettung, denn er lässt den Protagonisten bei sich übernachten und vermittelt ihn (durch seine unzähligen Bekanntschaften, die sein Job mit sich bringt) an eine Agentur, die jederzeit charismatische Persönlichkeiten sucht. Als Double seiner selbst wird er angeheuert, bekommt einen Gastauftritt in einer ZDF-Show, einen Youtube-Channel und schließlich seine eigene Show im Fernsehen. 

Dies ist der Werdegang des "neuen" Herrn H. 

Klingt nicht sonderlich spannend für dich? 

Oh doch, denn die Art und Weise wie dieses Buch geschrieben ist, ist reine Satire.


Herr H. erzählt die ganze Geschichte aus der Ich-Perspektive. 
Das bedeutet auch, dass die Sprache etwas altertümlich ist. Manche Satzkonstellationen sind heutzutage einfach überholt und es tauchen ein paar Begriffe auf, die mir beispielsweise völlig fremd waren. Oder weißt du, was "Pfründe" sind? Einen schönen Kontrast bieten dazu die Berliner, mit denen sich Herr H. unterhält. Vor allem Fräulein Krömeier ist mit ihrer frechen Berliner Schnauze eine angenehme Abwechslung zum eigentlichen Schreibstil. Aber keine Angst, auch wenn die Sprache nicht jedermanns Sache ist, ist sie dennoch sehr gut verständlich. 

So beginnt Herr H. sich also ein neues Leben aufzubauen. Auf der Straße wird er erkannt, doch nicht als der große Führer, sondern als Stromberg. Oder besser gesagt, deren Parodie aus Switch. 
Immer wieder zieht er Vergleiche zur früheren Zeit. Wo kommen die ganzen Plastiktüten her? Wieso haben alle diese ominösen "Henndies"?

"Das ist gefährlicher Blödsinn, der nur dazu führt, dass unsere jungen Leute auf der Straße dauernd in ihre Telefonapparate hineinglotzen und zu Tausenden überfahren werden."


Hand auf's Herz: Hat er damit nicht Recht? 
Die Ausgabe als Hardcover kostet übrigens 19.33€ ☺
Oh und genau DAS ist das Erschreckende an diesem Buch. Herr H. analysiert. Seine Umwelt und vor allem die Menschen die darin leben, um sie später für seine Zwecke nutzen zu können. Er deckt offensichtliche Missstände auf und verpackt sie in diversen Konversationen (z.B. mit einer bekanntenPolitikerin der Grünen) so geschickt, dass das Gegenüber ihm nur beipflichten kann. Diese hohe Überzeugungskunst nutzt er dann und dreht dem Gesprächspartner die Worte im Munde herum. 

Auch erschreckend war für mich, dass all die antisemitischen und rassistischen Gedanken des Herrn H. auch ausgesprochen wurden. Natürlich musste man das tun, er erzählt schließlich aus der Ich-Perspektive. Dennoch habe ich mich allzuoft unwohl gefühlt wenn Begriffe fielen, die politisch einfach mehr als inkorrekt sind. 

Insgesamt ist diese Politsatire ein urkomisches Werk. Sehr oft musste ich lachen. Und dann kam wieder die Gänsehaut. 

Deswegen vergebe ich 9 von 10 Krönchen. 
♛♛♛♛♛♛♛♛♛♕


Titel: "Er ist wieder da"
AutorIn: Timur Vermes
Verlag: Bastei Lübbe 
ISBN: 978-3-404-17178-1 
Taschenbuch
Erstveröffentlichung 2012
396 Seiten
Preis: 9,99€

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