Freitag, 23. Februar 2018

[Rezension] "Ehrenrunde" von Lukas Pellmann

Als ob ein Mord an einer Schule noch nicht schlimm genug wäre, sind die beteiligten Personen zudem auch noch der Schulwart (vergleichbar mit dem Hausmeister einer deutschen Schule) und ein Schüler. 

Aber nicht so, wie du jetzt vielleicht denkst. Der SCHÜLER ist nämlich der Täter! Wie mutig von  Pellmann, einem 14-Jährigen die vermeintliche Täterrolle zuzuschreiben – Dass ein Jugendlicher, fast noch ein Kind, einen Menschen umzubringen vermag, wird gern tabuisiert. Doch das war noch nicht alles, denn das WIE ist in diesem Fall das entscheidende und gleichzeitig auch abstruse, welches das ganze Drama noch mehr ins Rollen bringt. 

Mitten auf dem Schulgelände dreht nämlich ein Traktor seine Runden, mit dem 14-jährigen Elias im Sitz, der seine Spuren buchstäblich immer und immer wieder über den Schulwart Arnold Knoll zieht. Grotesk und brutal? - Genau das Richtige für die Wiener Ermittler Vera Rosen und Moritz Ritter.

„Ehrenrunde“ ist bereits der vierte Fall für dieses sympathische Ermittler-Duo und besticht wie sein Vorgänger „Instamord“ durch einen ausgeklügelten Plot, der logisch zu Ende wurde – auf offene Fragen oder Ungereimtheiten wirst du nicht stoßen. 

Und dennoch ist es gar nicht mal einfach, dem Twist auf die Schliche zu kommen. Neben dem eingangs erwähnten Täter-Opfer-Duo, spielen bei „Ehrenrunde“ eine ganze Reihe weiterer gesellschaftlicher Ebenen eine Rolle. Neben der Immobilienbranche, So führt uns die Szenerie in die Politik: Der Pflegevater des vermeintlichen Mörders ist auf dem besten Wege dazu, Innenminister der Republik Österreich zu werden – und das mit einer mehr als fragwürdigen politischen Gesinnung. Da lässt Pellmann subtil und gerade deswegen geistreich durchblicken, was er von der ein oder anderen Partei hält (Danke dafür!) 

Und all diese gesellschaftlichen Faktoren haben einen Sinn und tragen zur Aufklärung des Mordes bei – die Krux liegt darin, herauszufinden, wo all diese Stränge zusammenlaufen!

Pellmann versteht es, über den Tellerrand seiner Story hinaus zu blicken. So erleben wir als LeserInnen keine verkopfte Geschichte, die auf Biegen und Brechen versucht voran zu kommen. 

Vielmehr erleben wir ausreichend Freiraum, der vor allem für die Privatleben der beiden Ermittler, sowie die liebevollen Beschreibungen der Schauplätze zu gute kommt. 

Moritz ist mittlerweile Vater und seine neue Rolle kostet ihm so manche Kraft – fördert aber auch mehr als unterhaltsamen Galgenhumor zu Tage. Zusammen mit Vera, sorgen die beiden ob der mörderischen Umstände für den ein oder anderen Schmunzler.

Natürlich kommt die Liebe zu Wien und Österreich auch bei „Ehrenrunde“ nicht zu kurz.
„Wappler“, „Beisl“ und „Gewurl“ sind die neusten Begriffe, die ich lernen konnte. Und auch hier wird wieder eine charmante Brücke zwischen der österreichischen und der deutschen Kultur gespannt. Moritz hat deutsche Wurzeln und Vera hat einen Narren daran gefressen, ihrem Kollegen (und uns!) die österreichischen Gepflogenheiten zu erklären.

Das führt letztlich zu einer hohen Informationsdichte. Das Erzähltempo ist hier hoch, weiß jedoch die Grenze zu wahren, um die LeserInnen nicht zu überfordern. 

Dies ist nicht zuletzt auch der chronologischen Erzählweise geschuldet. Stringent beschreibt jedes Kapitel einen bestimmten Tag, der jeweils in den Überschriften mit einem konkreten Datum versehen ist. So lässt sich die Ermittlungsarbeit der Protagonisten noch authentischer vorstellen und nachvollziehen.


Wenn du die anderen Fälle um Vera Rosen und Moritz Ritter noch nicht gelesen hast, macht das überhaupt nichts. 

Die Geschichten bauen zwar im weitesten Sinne aufeinander auf, aber ein Vorwissen ist nicht nötig, um diese Krimis genießen und verstehen zu können. Die Protagonisten werden abermals so geschickt vorgestellt, sodass es für „neue“ LeserInnen ein Leichtes ist, in die Geschichte einzutauchen - und „alte“ Pellmann-Fans gleichzeitig nicht langweilt. 

Der Plot aus „Ehrenrunde“ kommt für meinen Geschmack nicht an selbigen aus dem Vorgänger „Instamord“ heran, muss sich jedoch auch nicht dahinter verstecken – das ist eine rein subjektive, nicht belegbare Einschätzung. Ein Serienmord löst m.E. eine größere Spannung aus, als ein einzelner Mord, der das ganze Buch dominiert. 

Hervorzuheben sei an dieser Stelle noch, wie dieser Krimi entstanden ist.

Denn die LeserInnen konnten selbst Teil des Krimis werden, in dem sie den (vor der hiesigen Gesamtausgabe) in Teilen erscheinenden Roman lasen und den fiktiven Ermittlern Hinweise per Whatsapp oder Instagram zukommen ließen. 

So findet man während des Lesens immer wieder Anspielungen auf soziale Netzwerke, beispielsweise den Instagram-Account von Moritz Ritter – Ein interaktiver Krimi, der so nah wie irgend möglich an der LeserInnen ist.

Wenn du übrigens aus Wien kommst, ist in diesem Buch noch ein ganz besonderes Gimmick eingebaut. Am Ende findest du nämlich die Schnitzeljagd, die die Schülergruppe „FREUD“ im Krimi absolviert. Und am Ende des Regenbogens wartet dann auch eine Überraschung auf dich!



„Ehrenrunde“ bekommt 8 von 10 Krönchen. 
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Titel: "Ehrenrunde"
AutorIn: Lukas Pellmann
Verlag: Text/Rahmen
ISBN: 978-3-9504510-0-9
Hardcover
Veröffentlichung: 08.12.2017
284 Seiten
Preis: 19,90€
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Dieses Buch ist ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an Lukas Pellmann!

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