Freitag, 23. Februar 2018

[Rezension] Bernadette Calonego: "Die letzte Erkenntnis"

Zwei Menschen - zwei Schicksale. Unterschiedlicher könnten die Protagonisten Lester und Tia wohl kaum sein.

Lester ist Anfang Dreißig, lebt in Kanada, ist ein mehr oder weniger bekannter Schauspieler und wird durch seine gut situierten Familienverhältnisse so schnell nicht in Geldnot geraten. 

Tia dagegen ist Mitte Zwanzig, eine begabte Pianistin aus der Schweiz, die sich nun der Mal- und Musiktherapie von Kindern verschrieben hat.

Was die beiden verbindet? Auf den ersten Blick nicht viel. Sie kennen sich nicht und werden sich durch die zig tausenden Kilometer Entfernung auch so schnell nicht begegnen.

Doch wie Lesters Bruder wurde auch Tias Vater erschossen.

Solche Zufälle passieren ständig, sagst du dir?

Da hast du vermutlich Recht.
Doch Lester werden Dokumente zugespielt, auf denen unterer anderem der Name von Tias Vater steht - immer noch ein Zufall? Wohl kaum.

Für Lester ist dieser Fall klar: der mehr schlecht als recht aufgeklärte Mord seines Bruder vor vier Jahren war keine Zufallstat, sondern grausames Kalkül. Genau wie die Morde an den Wissenschaftlern, deren Namen ebenfalls in den Dokumenten auftauchten.  

Parallel zu seiner Geschichte, wechselt die Erzählperspektive immer wieder zurück zu Tia, die nach dem Mord ihres Vater einen Neubeginn startet und auf einer kanadischen Ranch Erholung sucht. 

Auch ohne blutrünstige Beschreibungen der Morde erzeugt dieser Krimi eine hohe Spannung. Calonego versteht es, mit Cliffhangern zu arbeiten und die LeserInnen zappeln zu lassen, bevor sie das nächste Puzzleteil erhalten. 

„Die letzte Erkenntis“ ist kein Krimi, den man nebenbei „schnell mal“ lesen kann: 

Hier ist Aufmerksamkeit gefragt! Sehr viele Namen und Orte spielen eine besondere Rolle und am Ende wird man belohnt. Wie zwei Zahnräder greifen die Erzählstränge ineinander und überzeugen mit einem perfekt ausgeklügelten, bis ins kleinste Detail geplanten Überbau. 

Die Beschreibungen der Charaktere sind dagegen nicht so durchdacht, wie der Rest des Buches. 

Obschon über Tia und Lester durchgängig aus der dritten Perspektive erzählt wird, fällt eine Verbindung zu den Protagonisten schwer. Andere (durchaus wichtige!) Charaktere werden nicht näher beleuchtet und hinterlassen viele Fragen. 

So bleiben neben den Protagonisten auch die anderen Persönlichkeiten zumeist inhaltslose Schatten, bei denen ein Mitfiebern schwer bis nicht möglich wird. 

An die Satzkonstruktionen gewöhnst du dich schnell. Schnelle, kurze und präzise Sätze lassen eine innere Unruhe aufkommen und man läuft Gefahr, den ein oder anderen Satz nur zu überfliegen. Diese Falle erst einmal erkannt, bedarf es auch keiner überflüssigen Nebensätze mehr - Calonego schafft trotzdem - oder gerade deswegen -  eine unheilvolle Stimmung. 

Auch die Zielgruppe des Krimis dürfte eine weite sein: 

Neben Themen wie Ermittlungsarbeit, Sekten und Politik, bietet „Die letzte Erkenntnis“ vor allem etwas für diejenigen, die sich nach der Ferne sehnen. Calonego spannt einen hervorragenden Bogen zwischen verschiedenen Kulturen - verstreut über den halben Erdball.  

Aus diesem Grund vergebe ich 7 von 10 Krönchen.
♛♛♛♛♛♛♛♕♕♕

Titel: "Die letzte Erkenntnis"
AutorIn: Bernadette Calonego
Verlag: Edition M, Amazon Media
ISBN: 978-1542048521
Taschenbuch
Veröffentlichung: 17.10.2017 
396 Seiten
Preis: 9,99€
---- 
Dieses Buch ist ein Gewinn. Vielen Dank an Bernadette Calonego!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen